Aus der Vereinsgeschichte

Schon sehr bald nach Erscheinen der ersten Briefmarke 1840 in Großbritannien schlossen sich Sammler in ent-sprechenden Vereinen zusammen.

In Deutschland wurde 1869 der erste Verein in Heidelberg gegründet, musste aber bald wieder schließen, weil Spott und Hohn ihm so sehr entgegen schlugen, dass man sogar einen Verein zur Unterdrückung antiphilatelistischer Elemente gründen musste. Aufzuhalten war die neue Leidenschaft aber nicht. Es wurden immer mehr neue Vereine gegründet.

1890 war es dann in Hanau soweit. Nach mehreren Aufrufen im Hanauer Anzeiger wurde auf Initiative von 3 Sammlern am 10. Dezember 1890 unser Verein gegründet. Nach Frankfurt a.M., Kassel und Wiesbaden war es die vierte Vereinsgründung in Hessen.

Die zunächst relativ wenigen Vereine hatten untereinander gute Verbindungen und die jeweiligen Statuten (Satzungen) wurden ausgetauscht. So ist in dem gut erhaltenen Protokollbuch des Vereins nachzulesen, dass z.B. alsbald nach der Gründung mit dem Skandinavischen Philatelistenverein Kopenhagen Kontakt aufgenommen wurde und auch die Societe Philatelic Geneve informiert wurde. Der Verein wollte sogar dem "Schutz-und Trutzbund der Philatelie" beitreten, was aber der Vorsitz führende Philatelistenbund Wien ablehnte. Eine Vorstufe der Globalisierung war damals schon zu erkennen.

Freilich musste die Werbetrommel heftig genutzt werden. Insbesondere unser damaliger Schriftführer Fritz Collmann pflegte den persönlichen Kontakt mit den Hanauer Bürgern.   ...............................................  "Da wir in Erfahrung gebracht haben, dass Sie eifriger Markensammler sind, erlauben wir uns hierdurch, Sie auf den hiesigen Verein aufmerksam zu machen. Doublettenhefte der Mitglieder und reichhaltige Auswahlsendungen auswärtiger Händler circulieren bei den Mitgliedern".

So förmlich  geht es heute nicht mehr zu, aber die Notwendigkeit solcher Ansprachen ist mehr denn je gegeben. 

Der Verein hatte in den ersten Jahren  ca. 30 Mitglieder, die eine ausgeprägte Kameradschaft und Solidarität pflegten. Jeder half jedem. Der Vereinsbeitritt erforderte 2 Bürgen. Die Mitgliederliste der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts liest sich wie ein "who is who in Hanau". 

Gesammelt wurde grundsätzlich die ganze Welt. Hanau mit seinen damals schon weltweiten Verbindungen besonders in der Schmuckindustrie war dafür gerade zu prädestiniert. Natürlich wurde auch schon spezialisiert gesammelt. So umfasste die Thurn- und Taxis-Sammlung eines Mitglieds 8 Bände. Sehr beachtlich, wenn man bedenkt, dass es "nur" 54 entsprechende Marken gab. Auch die umfangreichsten und bedeutendsten Siam-Sammlungen der damaligen Zeit stammen allesamt aus Hanau. Fast jedes Mitglied war Siam-Sammler. Kein Wunder, wenn man weis, dass ein Bruder unseres damaligen Schriftführers und späteren  Vereinsvorsitzenden Fritz Collmann nämlich Theo Collmann Generalpostmeister von Siam war. Ein weiterer Bruder war Briefmarkenhändler in Hamburg. 

Die Mitgliederzahl hatte sich nach Ende des 2. Weltkrieges bei etwa 60 eingependelt. Die Tauschlokale wechselten oft. Nach 1965 wurden der Bevölkerung  Ausstellungen im 5-Jahresrhythmus angeboten. In dieser Zeit kletterte die Mitgliederzahl auf 306. Geänderte Sammelgewohnheiten und andere Anreize, besonders bei der Jugend, verstärken aber einen raschen Abwärtstrend. Wenn heute vielfach nur noch die Bundesrepublik gesammelt wird, so ist der direkte Bezug bei der Post bequem, wenn auch nicht der Philatelie förderlich.

Unser Vorteil  gegenüber anderen hessischen Sammlervereinen  besteht im eigenen Vereinsheim, welches wir durch die Umsicht unserer Schatzmeister schon seit 1967 betreiben können.

Der Verein feierte 2010 mit einer Ausstellung in den Museumsräumen des Schlosses Philippsruhe sein 120-jähriges Jubiläum. Dass wir beide Räume ausschließlich mit Exponaten der eigenen Mitglieder füllen konnten, machte uns stolz und zeigt die in Jahrzehnten erarbeitete Leistungsfähigkeit der Mitglieder und des Vereins.                                                                

 


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